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Von Pyjamas und Pluderhosen
Auch nachts gut gekleidet
Nichts ist so erholsam wie entspannter, ruhiger Schlaf. Fast ein Drittel unseres Lebens verbringen wir auf diese Weise. Da liegt es nahe, dass wir es uns nachts so bequem wie möglich machen wollen. Niemand wird auf die Idee kommen, sich im Anzug und mit Krawatte ins Bett zu legen. Abgesehen davon, dass ein solches Vorgehen dem Anzug wohl schlecht bekommen würde, wäre die Bequemlichkeit vermutlich auch dahin.
Deshalb schlief man in früheren Zeiten einfach im wohl populärsten aller Kleidungsstücke: dem Hemd. Während sich schon im Mittelalter dir Reichen und Schönen prachtvolle Nachtgewänder schneidern ließen, besaß der Mann auf der Straße manchmal nur ein Exemplar. Das wurde dann auch durchaus schon mal tagsüber als Unterwäsche getragen, bevor man sich nachts darin schlafen legte.
Nun, das Hemd legte eine beispiellose Karriere hin und wurde zum geschätzten modischen Kleidungsstück. Nachthemden wurden lange Zeit zur bevorzugten Nachtbekleidung. Berühmte Gemälde zeigen nachtbehemdete Schläfer, die mit der Nachtmütze auf dem Kopf und dem Kerzenleuchter in der Hand verträumt die Treppenhäuser unsicher machen.
Nun, einen Nachteil hatte das klassische Nachthemd allerdings: es sah noch nie besonders männlich aus. Die Lösung des Problems kam aus einer sehr unerwarteten Richtung, nämlich aus dem kolonialen Indien.
Das Klima dort in den exotischen britischen Kolonien war heiß und feucht, folglich schweißtreibend ohne Ende. Die dortigen Würdenträger halfen diesem Umstand durch passende Kleidung ab, vor allem mit einer weiten, luftigen Stoffhose und dem passenden nicht weniger weit geschnittenen Hemd. Begeistert übernahmen die britischen Offiziere den Look, allerdings in den eigenen vier Wänden. Und um eine Hose erweitert, sah das – nun kürzere – Nachthemd doch gleich viel männlicher aus. Und so war es eins indisches Wort für Hose, „pae jamah“, das der neuen Kleidung den Namen gab.
Pyjama, das ist immer noch das Synonym für Schlafanzüge. Dabei wurde erst in den 30'er Jahren der Schlafanzug wirklich zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz für das Nachthemd. Seitdem ist er aber aus unseren Schlafzimmern nicht mehr wegzudenken.
Die meisten Schlafanzüge werden heute aus Baumwolle hergestellt. Der klassische Schnitt mit weiter Hose und knüpfbarem Hemd ist dabei sehr viel bequemer als die eng anliegende Form ohne Knopfleiste.
Wer einmal das Vergnügen hatte, in einem Seidenpyjama von erlesener Qualität zu schlafen, wird dieses Gefühl nicht mehr missen wollen. Die maximale Atmungsaktivität und das bequeme Hautgefühl sind unvergleichlich. Wer im Bett leicht friert, greift zu leichten Wollstoffen oder Flanell.
Es gibt auch Satinpyjamas aus Kunstfaser. Leider ist ihr Tragekomfort bei weitem nicht mit dem von Seide oder auch nur guter Baumwolle zu vergleichen. Vielleicht entscheiden Sie sich in diesem Fall eher für ein flanellgefüttertes Modell.
Interessant ist, dass bei der Wahl ihrer Nachtwäsche viele Männer Farben bevorzugen, die sie sonst nie auf der Straße tragen würden. Selbst klassische Modelle überbieten sich mit farbenfrohen Streifen oder gar bunten Paisleys. Das verwundert um so mehr,da diese üppige Opulenz der Farben und Formen auftrat, während gleichzeitig der dunkle Geschäftsanzug stilbildend wirkte und die Herrenbekleidung immer unauffälliger wirkte. Die Streifen auf der Krawatte wurden immer dezenter, die auf dem Pyjama immer leuchtender.
Wollen Sie sich einen echten Luxus gönnen, der Sie zu einem zufriedenen Lächeln bringt, lassen Sie sich einen Seidenpyjama maßschneidern. Zwar wird ihn kaum jemand je zu Gesicht bekommen. Aber es ist schon ein vergnügen, sich morgens in solch edlem Tuch an den Frühstückstisch zu setzen. Darüber vielleicht noch ein Morgenmantel, farbenfroh in Seide mit strahlenden Paisleys. Wollen Sie sich wie ein milliardenschwerer Lebemann fühlen, tragen Sie dazu noch ein Einstecktuch und einen Krawattenschal – das Leben ist schön!
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