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erstellt von: krawatten, am 03.05.2011 16:04 , Clicks: 10062

Das Sportsakko

Gut angezogen zu sein, ist manchmal gar nicht so leicht. Denn gut heißt eben manchmal nicht nur, dass die Kleidung aus erlesensten Stoffen und die Krawatte aus feinster Seide ist. Die Hose maßgeschneidert und die Schuhe rahmengenäht. Sondern auch: dieses Outfit passt. Zum Träger, zum Stil und vor allem zum Anlass. Und gerade letzteres ist die große Herausforderung.

 

Früher war der klassische dunkle Anzug unabdingbar in allen Berufen, in denen man sich nicht unmittelbar die Hände schmutzig machte. Bankiers und Manager trugen ihn genauso wie Kundenberater, Verkäufer oder Journalisten, Lehrer und Professoren wären gar nie ohne Krawatte aus dem Haus gegangen. Das wirke professionell und seriös, hieß es. Ein Gegenüber im Anzug werde viel eher ernst genommen.

 

Nun, die Zeiten haben sich ein wenig geändert. Viele von uns arbeiten ohne direkten Kundenkontakt und treten ihren Kunden nur per Telefon und Email gegenüber. Auch sind in den diversen Abteilungen heutiger Großunternehmen ganze Heere von Arbeitnehmern mit internen Aufgaben beschäftigt, die nie einen Kunden zu Gesicht bekommen werden. Da ist ein Anzugzwang oft schwer zu begründen, weshalb er auch außerhalb konservativer Branchen kaum noch anzutreffen ist. Doch leider hat diese neue Lässigkeit auch zu einem Verlust an klaren Richtlinien geführt, der teils die Orientierung erschwert.

 

Da ist es gut, dass es für all die Anlässe, die eben nicht zwingend einen Anzug erfordern, einen starken Verbündeten gibt: das Sportsakko. Dabei ist es ein Kleidungsstück, dass eigentlich eine recht überraschende Entwicklung hinter sich hat.

 

Der Anzug gilt uns heute als Krönung der klassischen Herrenmode. Dabei war die Kombination aus Jackett und gleichfarbiger Hose anfangs alles andere als förmlich. Der Herr des 19. Jahrhunderts trug seinen Gehrock zu einer Hose aus andersfarbigem Stoff. Der gleichfarbige Anzug war höchstens in der Freizeit noch akzeptabel. Nun, binnen weniger Jahrzehnte kehrte sich die Bewertung nahezu um. Nun war es auf einmal der einheitliche Anzug, der allenthalben als förmlich galt und binnen kurzer Zeit die Gehrockkombinationen ablöste. Dafür tauchten nun die verschiedenfarbigen Kombinationen wieder dort auf, wo zuvor der Anzug aufgekommen war: beim Sport, genauer gesagt: beim Jagdsport. Die dort beliebten Modelle sahen allerdings eher nach Funktionskleidung aus als nach dem heute so eleganten Alltagsbegleiter.

 

Die Norfolkjacke ist etwa ein solcher Zwischenschritt. Vom Prinzip her ist dieser Klassiker der Herrenmode nichts anderes als ein Tweedsakko, aber mit großen, funktionalen Taschen und einem Gürtel. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein derartiges Jackett auf der Jagd praktischer war als ein Anzug.

 

Nun, mit der zeit fiel der Gürtel weg, und auch die Taschen wurden unauffälliger. Das Sportsakko näherte sich im Schnitt mehr und mehr wieder der Anzugjacke an. Da es aber zumeist deutlich weniger förmlich wirkt als ein Anzug, ist es im Alltag nicht so häufig anzutreffen. Seine unangefochtene Bastion ist die Arbeitskleidung derer, die beruflich nicht im Anzug herumlaufen. Lehrer, Kreative, Journalisten, Sachbearbeiter, die Liste ist endlos lang. Und gerade hier hat sich das Sportsakko zum Businesshemd mit oder ohne dunkelroter oder dunkelblauer Krawatte und Chinos oder einer dezenten Stoffhose fast als Uniform durchgesetzt.

 

Doch weit ab davon ist das Sportsakko längst dabei, eine neue Karriere im Bereich der halbförmlichen Garderobe zu machen. Nicht nur, dass es mit einem feinen Einstecktuch und vielleicht einem Krawattenschal festlich und elegant wirkt, und zum weißen Hemd professionell. Zum schlichten Poloshirt ist es reinste Freizeitgarderobe.

 

Auch die Young Fashion und die großen Modelabel haben sich längst wieder des Klassikers angenommen. Moderne Sakkoschnitte gerade für den Sommer sind meist eng, ungefüttert und aus leichten, oft vorgewaschenen Stoffen. Sie wirken in unzähligen Farbvarianten noch lässiger als ihre Vorgänger und können bedenkenlos mit Jeans und Halstüchern kombiniert werden.






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