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erstellt von: krawatten, am 29.11.2010 14:50 , Clicks: 7509

Das Mekka der Herrenmode

Kleine Geschichte der Savile Row

Fragt man nach der perfekten Kleidung für konservative Businessbereiche, dann ist der klassische Maßanzug nach wie vor ohne Alternative. Dazu ein schlichtes weißes Hemd, eine klassische britische Krawatte, und wenn es etwas eleganter sein soll, noch ein Einstecktuch. Und während schlanke italienische Stile ungeheuer modern und elegant wirken können, stehen Vertreter der vom Konzept der ?Permanent Fashion? geprägten Fraktion solchen modischen Neuerungen sehr skeptisch gegenüber.

Die englische Tradition der Kleidung ist eine andere. Der Mann, der im zeitlosen ?Bespoke?-Anzug aufläuft, will damit nicht sein Stilgefühl und seine modische Ader zum Ausdruck bringen. Er zeigt einfach nur, dass er dazugehört und die Regeln der klassischen Kleidung verinnerlicht hat. Die Schnitte haben sich seit hundert Jahren kaum verändert. Und auch wirklich wird, natürlich vom Maßschneider angepasst, schon mal der Anzug des Großvaters aufgetragen. Denn bei den hohen Qualitätsstandards hält so ein Anzug jahrzehntelang. Warum etwas verändern, wenn es schon perfekt ist, fragen sich die Vertreter der alten Schule, und feiern den klassischen Stil als zeitlos.

Der Ort, der mit dieser Traditionslinie verbunden ist wie kein anderer, ist eine eher kleine, sonst ziemlich unbedeutende Verbindungsstraße im Londoner Westminster, inmitten des Edelbezirks Myfair. Ohne ihre hervorragenden Maßschneidereien wäre die Savile Row sicherlich eine der unbekanntesten Straße Londons.

Nachdem sich aber bereits seit dem 18. Jahrhundert dort Maßschneider niederließen ? damals noch unter dem Patronat von keinem geringeren als Beau Brummel höchstselbst ? wurde das Label ?Savile Row? zum Synonym für edle maßgeschneiderte Herrenmode und die ?Goldene Meile? zum Wallfahrtsort stilbewusster Männer.

Die hohe Kunst, die dort ausgeübt wird, ist wirklich mehr als ein Handwerk. Nicht um mehr oder weniger geht es hier, als dem Kunden exakt den Anzug zu geben, den er haben möchte, der ihm steht und der trotzdem jene klassische Eleganz ausstrahlt, die den Bespoke-Anzügen eigen ist.

Die Eleganz ist bei den meisten der alteingesessenen Traditionsschneider das Ergebnis einer strikten Arbeitsteilung. Der ?Cutter? spricht mit dem Kunden ausgiebig die Details seines neuen Anzuges ab. Auch versucht er, ihn nach Typ und Auftreten einzuschätzen. Anschließend nimmt er Maß, und das teils mehrfach. Er ist es, der nun ? klassisch auf einer Art Packpapier ? die Schnittmuster des neuen Anzugs aufzeichnet und auch ausschneidet. Die so gefertigten Einzelteile kann nun der ?Tailor? zu einem Kleidungsstück zusammennähen. Oft gibt es hier auch Spezialisierungen. Der ?Vest Maker? kümmert sich nur um die Weste, der ?Trouser Maker? näht die Hose.

Ist das Kleidungsstück nun erst einmal grob genäht, wird es Zeit für eine Anprobe.Dabei wird fleißig abgesteckt, umgeschlagen und gemessen, damit die neuesten Änderungen in den fertigen Anzug einfließen. Bei einem komplizierten Schnitt oder einem ungewöhnlichen Körperbau können einige Anproben nötig sein, bis das gewünschte Resultat erzielt wird.

Natürlich finden sich nicht nur Anzüge im Repertoire der Schneider. Auch Hemden und sogar Krawatten werden dort nach Maß gefertigt.

Solch Aufwand, dort immerhin mit so großen und traditionsreichen Namen wie H.Huntsman & Sons oder auch H. Poole & Co. verbunden, hat natürlich oft auch Kritiker auf den Plan gerufen, ebenso die traditionelle, nicht an der aktuellen Mode orientierte Ausrichtung. So bezeichnete etwa Designer Giorgio Armani die Savile Row als ?bad British comedy.? und merkte zur dortigen Schneiderkunst an: ?sie ist so alt, sie sollte eigentlich noch in Schwarz-Weiß sein.?

Das hat ihn allerdings nicht davon abgehalten, mit einem eigenen Bespoke-Label aufzutreten. Denn wie hat er einst selbst so zutreffend formuliert: Der Unterschied zwischen Mode und Stil ist die Qualität.


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